Helga schenkt mir die erste Kamera. Tante Helga. 6x6 im Plastikgehäuse. Jetzt ist es geschehen. Die Liebe zur Fotografie ist entfacht. Familienfotos. Der Garten. Das Haus. Die Freunde. Der Hund. Alles, was vor die Linse kommt und sich auf einem Rollfilm innerhalb eines Viertel Jahres, manchmal auch länger, festhalten lässt.

Es sind die Sechziger. Die Neunzehn-Sechziger! Natürlich Schwarzweiss. Später gibt es die erste Kleinbildkamera. Mit Farbfilm. Dann die Spiegelreflex mit Wechseloptik. Je länger die Brennweite desto besser.

Schule und Ausbildung sind die Perspektive. Musik, Film und Fernsehen interessieren mich. Ich höre jedoch auf den guten Rat und entscheide mich etwas Anständiges zu lernen. Technik und Basteln ist angesagt. Also Elektrotechnik. Nicht die Lehre beim Handwerker sondern gleich das Studium.

Robert Moog mit seinen Synthesizern wird zum Idol. Schränke voll Elektronik mit einer Tastatur. Klaus Schulze spielt die ganze Nacht. Die Fotografie ist Hobby. Jetzt konzeptionell. 

Als ich dann Claudia kennen lerne will ich es wissen. Sie möchte Fotografie studieren. Ich jetzt auch. Es gibt jedoch den „Numerus Clausus“. Und mein Interesse in der Schule genügt nicht den Mindestanforderungen. Die Aufnahmeprüfung bestehe ich, die bürokratische Hürde des Notendurchschnitts steht mir im Weg. Dann eben auf den Platz warten. 

Jobben in der Druckerei. Rotation. Immerhin entfernt im grafischen Bereich. Ich fotografiere. Beginne zu malen. Habe erste kleine Ausstellungen und bin Ausstellungsmacher in einem Jugend-Kulturzentrum.

Dann endlich das Studium. Visuelle Kommunikation, Foto-Film-Design. Ich geniesse die „Bielefelder Schule“ mit Gottfried Jäger, Kalle Holzhäuser und Jörg Boström. Jürgen Heinemann ist auch noch da. Dem zolle ich jedoch einen distanzierten Respekt. Der ist Journalist, das liegt mir nicht. Inszenierte Fotografie und Sach- und Prozessdarstellung sind mein Ding. Dann die Architektur in Available Light. Ausserdem verkrieche ich mich zunehmend in der Metallwerkstatt. Produktdesign: Interieur, Logo-Skulpturen, Fototechnik.

Die Brennweiten werden kürzer, der Horizont weiter. Mein Diplom erteilt man mir für eine gute Mischung aus Fotografie, Skulptur und Installation. Die Aufträge während des Studiums führen mich zur Architektur und angewandten Kunst. Hier sammele ich dann mehr Erfahrung im freien Job. Elisabeth, die Architektin, lehrt mir das fehlende Know How.

Der Personal Computer war schon vor einigen Jahren erfunden worden. Nach langem Hadern entdecke ich ihn für mich selbst. Photoshop, digitale Bildbearbeitung, Scanner, die ersten Fotodrucker. Und dann: Digitalkameras. Schluss mit den unentwickelten Filmen im Kühlschank. Kein Gepansche mehr in der Dunkelkammer. Ab jetzt ist alles digital.

Um effektiv die multimedialen Fähigkeiten des Computers zu nutzen brauche ich eine spezielle Ausbildung. Programmierung. Internet. Interaktion. Die Fotos beginnen sich zu bewegen. Dreidimensionale Panoramen. Virtual reality. Mit Architekturfotografie, Web- und Grafikdesign verdiene ich mein Geld um meine freien Kunstprojekte zu finanzieren. Den Erfolg habe ich durch Ausstellungen. Fotografie. Multimediale Installationen mit viel Computerbastelei und Materialschlachten.

Elisabeth und Nike reisen mit mir durch die Welt. Ich sehe Brasilien. Seine Schönheit. Sehnsucht. Brutalität. Ich spüre die Angst vor seiner Kriminalität.

Europa. Japan. Ja selbst Teile Deutschlands lerne ich kennen.



Und doch nicht. 


Die letzten Fotos zeugen von der Welt, die ich erfahre. Verwischt. 

BERND HAUGRUND

Diplom-Designer Fotografie,
Screendesign, Multimedia
.

Architekturfotografie, Available Light,
Produktdesign, Lichtobjekt.

Studium der Elektrotechnik, Visuelle Kommunikation, Foto- Filmdesign, Grafikdesign, Multimedia.
Dozent für DTP- und Multimedia-Software.
Internationale Kunstausstellungen:
Malerei, Multimedia, Fotografie.
Geboren in Deutschland.













"Im Fernsehen seh ich immer, 
dass Internet so toll ist.
– Warum eigentlich?"

AUSSTELLUNGEN 

1987 Malerei, Studentenclub, Remise, Lemgo
1988 Malerei, Kunstmarkt, Rathaus, Lemgo
1988 Malerei, KIMA, Marktplatz, Lemgo
1991 Skulptur, Installation
„Mozart: Mit der Absicht des Schöpfers...“,
Daniel-Pöppelmann-Haus, Herford.
1991 Skulptur, Installation
„Mozart: Mit der Absicht des Schöpfers...“,
Bürgerhaus, Bad Oeynhausen.
1994 Diplom, Fotografie, Installation, „Reflektionen
- Fotografische Konfrontation energetischer Zustände“,
FH Bielefeld
1996 Fotografie, Gasometer OB, Zuckerfabrik Lage,
Ravensberger Spinnerei Bielefeld, Düsseldorf
1998 Fotografie, „Brasilianer essen auch“, Düsseldorf
2000 Multimedia-Installation, „individuum multimedial“,
Hafen Reisholz, Trafohaus, Düsseldorf
2001 InternetKunstPreis 2001, IG Metall, TU Chemnitz
2001 Installation, Hafen Reisholz, Trafohaus, Düsseldorf
2002 Multimedia-Installation
„wass.er kann und was sie will“, AOK Grevenbroich
2002 Installation, Hafen Reisholz, Trafohaus, Düsseldorf
2003 Multimedia-Installation,
 Reinraum, Düsseldorf
2004 Multimedia-Installation,
"Tektonik Parlante" - Sichtbeton im Inneren,
Galerie MÄRZ, Linz, Österreich
2006 Fotografie, Klavierhaus Ottersberg
2006 Fotografie, Casa Nova 06, Florianopolis, Brasilien
2007 Fotografie: Casa Nova 07, Florianopolis, Brasilien